Freitag, 21. Oktober 2011

Kindermund

Nils liegt abends mit Schnupfen und Husten im Bett, fühlt sich krank und fragt mich:
„Hab ich das gleiche, wie Johanna? Die hat doch was am Fuß!?“
Ich überlege und denke: „Wie, was am Fuß?“ und frage ihn noch mal, was er meint. Aber Nils bleibt dabei, die Johanna hat was am Fuß.
Plötzlich fällt es mir auf: Ja, Johanna hat Typhus!
So konnte ich Nils erklären, dass Typhus keine Krankheit des Fußes ist!
Johanna ging es aber schnell besser mit entsprechenden Medikamenten.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Angefangen


Gestern haben wir mit dem zweiten Ausbildungsgang "Sekretariat" angehangen. 20 Jugendliche waren da. Der Rekordhalter der Teilnehmer muss jeden Tag 2,5 Stunden zu Fuß pro Weg bei jedem Wetter marschieren, um zum Ausbildungsgelände zu kommen. Wir freuen uns, dass das Interesse an unserer Ausbildung solche Kreise zieht.
Vom ersten Kurs haben sechs abgeschlossen, von denen wir immer noch hoffen, mindestens 2 eine Arbeit zu verschaffen oder unterzukriegen. Der Bedarf in Muramvya an ausgebildeten Leuten ist groß und wir hoffen, dass bald sogar mehr Absolventen etwas finden werden.
Im Bild sind die neuen Teilnehmer bei einem Kennenlernspiel zu sehen.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Bild zum Schuh


... und hier ist das Bild zur Schuhverteilung

Montag, 3. Oktober 2011

Schuhe verteilt

Diese Woche konnten wir endlich eine Spende der Firma Deichmann verteilen. Wir hatten letztes Jahr rund 150 Paar Schuhe geschenkt bekommen, um sie an die BAHO Kinder zu verteilen. Aber leider hat es durch Container verladen und entladen/ verzollen und durch den Wechsel im Projekt so lange gedauert, bis wir die Schuhe verteilen konnten. Dazu kam noch, dass wir uns ein System überlegen mussten, mit dem wir erklären können, dass manche welche bekommen und manche nicht. Wir habe uns nach einigen Überlegungen und Treffen entschlossen, nur Schuhe an Kinder zu geben, die auch Sport machen. Am Dienstag letzter Woche haben wir es dann geschafft. Alle Kinder, die in einer BAHO Sport Gruppe sind, also Fußball, Trommeln oder Tanzen, konnten ein paar neue Turnschuhe aus Deutschland bekommen. Es hat richtig Spaß gemacht zu sehen, wie sehr sich die Kinder gefreut haben und dieses Geschenk angenommen haben. Weihnachtsmann spielen macht auch im September Spaß. Da wir aber gerade sehr wenig Strom haben und auch der beste laptop Akku irgendwann runter ist, gibt es ein Bild der Verteilung als NAchtrag in den nächsten Tagen.

Samstag, 1. Oktober 2011

75 Bewerber


Wir haben den ersten Schreibmaschinen- und Sekretärskurs im September abgeschlossen. Nächste Woche am 5 Oktober werden an die 6 Absolventen die Zertifikate übergeben. Da der nächste Kurs vor der Tür steht, haben wir geeignete Kandidaten zu einem Interview eingeladen. Es sind maximal nur 15 Plätze, die wir bieten können, dennoch kamen am Dienstag 75 Bewerber auf das BAHO Gelände, um sich testen zu lassen. Welch Nachfrage nach Ausbildung! Die besten 20 werden nun nochmal einem Vorgespräch unterzogen und dann schauen wir, wer die nächsten 6 Monate eine Ausbildung bekommt!
Der neue Kurs sollte eigentlich schon nächste Woche starten doch innerkirchliche administratvie Wirren werden wahrscheinlich Grund einer Verspätung sein. Wir peilen nun Mitte Oktober an. Trotzdem toll, wie viele sich dafür interessieren! Im Bild sind der Hauptlehrer und Stefan zu sehen, kurz bevor der Test anfängt.

Montag, 19. September 2011

Gewalt und Kirche

Gestern Nacht wurden rund 30 Personen im burundischen Gatumba, einem Ort an der Grenze zum Kongo, getötet. Diese Information hat mir mein Nachbar, der dort ein Hotel baut, heute Morgen weitergegen. Er vermutet, dass es FNL Rebellen waren, die eine Verhaftungsaktion seitens der CNDD-FDD (Partei des Präsidenten von Burundi) gerächt haben (Gerüchten zufolge sollen bei dieser Aktion drei FNL Rebellen getötet worden sein). Gegen 20 Uhr schossen die Rebellen in einer Kneipe wild um sich. Man weiß aber nichts Genaues, die Gerüchteküche ist schnell und es liegen noch keine offiziellen Berichte vor. Im Radio hat man aber den Gewaltausbruch bestätigt, Radio rfi berichtet von 34 Toten und es werden jetzt natürlich Gegenaktionen und Racheakte befürchtet.
Auf der anderen Seite waren wir letzte Woche in einer freien Methodisten Kirche in Kizina, Kommune Gihanga, die zum Programm des Peace House gehört und die Versöhnung zwischen den beiden politischen militanten Gruppen sucht. In diesem Ort gibt es eine "Transformation Group", die sich zum Ziel gesetzt haben, einen lokalen Konflikt zu lösen und anzugehen. Insgesamt hat das Peace House mehr als 30 solcher Gruppen ins Leben gerufen. Die Kirche in Kizina liegt in einem Gebiet, das stark umkämpft ist und das für seine blutigen Auseinandersetzungen bekannt ist. In dieser Umgebung sticht die Kirche mit ihrem Programm heraus: unter ihrem Dach kommen CNDD-FDD Anhänger und FNL Rebellen zusammen, beten zusammen und lesen zusammen die Bibel oder spielen zusammen Fußball. Das Programm hat aber erst vor einigen Monaten angefangen und ist daher noch zerbrechlich und noch nicht tief verwurzelt. Dennoch ist es ein Zeichen in der Region, wenn in einer Kirche Menschen mit solchen Erfahrungen und Hintergründen zusammen kommen. Menschen, die sich vorher verraten haben, aufeinander geschossen haben oder Geld gesammelt haben, dass man die andere Seite bekämpfen kann. Die Kirche wird zu einem Ort des Friedens und der Hoffnung inmitten von Unmut, Pessimismus und aufflammender Gewalt.

Montag, 12. September 2011

Bier, Benzin, Strom und Pessimismus

Nachdem im Juni und Juli es eine Bierknappheit (Amstel) in Burundi gab, folgte im August Benzinknappheit mit teilweise kilometerlangen Schlangen vor den Tankstellen und schlägt jetzt im September die Stromknappheit zu. Burundi wird ja zu 100% durch Wasserkraftstrom versorgt und da gerade Trockenzeit ist, sind die Reservoirs leer und so muss Strom gespart werden. Anfänglich wurde jede zweite Nacht der Strom abgeschaltet, jetzt ist es jeden zweiten Tag für 24 Stunden. Das Bier ist wieder da, genauso wie das Benzin und wie wahrscheinlich in einem Monat auch der Strom wieder kommen wird, wenn die Regenzeit wieder anfängt. Schlimmer ist gerade aber die politisch- gesellschaftliche Stimmung. Überall machen sich Pessimismus und Angst breit. In allen Ecken des Landes wird von Auftragsmorden berichtet (teilweise barbarische Tötungen mit 37 Kugeln in den Kopf oder Kalaschnikov Salven, bis die Leiche in mehrere Teile verstreut auf dem Boden liegt). Manche unserer Kollegen in der Kirche meiden schon gewisse Provinzen, Programme können dort nicht mehr durchgeführt werden, weil sie um ihre Sicherheit fürchten. Man berichtet davon, dass Gruppen beginnen, Schutzgelder zu erpressen und viele Leute in unterschiedlichen gesellschaftlichen Stellungen sprechen davon, dass der Krieg wieder anfängt (wenn er auch noch als "verdeckt", "kalt" oder "begrenzt" tituliert wird). Am Anfang haben wir geglaubt, dass traumatisierte Pessimisten negative Stimmung machen, doch diese Anzeichen lassen auch uns nun langsam vorsichtiger werden und auch hellhöriger sein. Wir hoffen und beten, dass Politiker ihre Verantwortung wahr nehmen und dass die Kirchen durch Programme, Aufrufe und Initiativen dazu beitragen, dass der Frieden erhalten bleibt.