Montag, 26. Juli 2010

Wir sind in Deutschland

Da wir gerade in D sind und mit Arztbesuchen, Gottesdienste halten und Freunde sehen beschäftigt sind (letzteres freut uns riesig!), sind die news im blog rar geworden!

Unser Eindruck: In D sind wenig Leute auf der Strasse und es ist toll grün!

Dienstag, 29. Juni 2010

WM in Afrika

Es ist irgendwie nett, wie König Fußball die Welt regiert. Als „unsere Jungs“ das erste Spiel gegen Australien mit 4: 0 gewonnen haben, war ich überrascht, wie viele meiner Kollegen schon meinen Fußballeifer mitbekommen haben und mir dann zum Sieg „gratulierten“. Auch nach den weiteren Spiele wurden die Ergebnisse immer heftig diskutiert und ein Pastor im Landesinneren, den wir letzte Woche besucht haben, zog sogar einen Spielplan aus der Tasche und markierte die Ergebnisse - für hier eine Seltenheit. Hier in Burundi wird Fußball geschaut und wer einen Fernseher hat, macht ihn an und lädt ein oder verdient Geld, in dem er einige Franc „Eintritt“ verlangt, wenn Leute durchs Fenster das Spiel verfolgen dürfen.
Eine mich vollkommen überraschende Tatsache war, dass beim Spiel gegen Ghana afrikanische Kommentatoren das Spiel verfolgten und im Fernsehen kommentierten. Und es war nicht selten befremdlich, wenn aus dem Fernseher, wo man ja gewohnt ist, dass die Kommentatoren auf DEINER Seite stehen, dann Ghana anfeuerten und das deutsche Spiel anders bewerteten, als ich als Fan es tat. Nichts desto trotz gratulierten mir die mich umgebenden afrikanischen Zuschauer am Schluss. Wohl aber nur weil klar war, dass Ghana sich qualifiziert hat.
Ich freue mich auf die nächsten Spiele zusammen mit Menschen aus aller Welt – am Samstag werden wahrscheinlich ein Südafrikaner, ein Däne und ich das Spiel gegen Argentinien anschauen in der Hoffnung, dass unsere Mannschaft nicht deren Beispiel folgt…

Freitag, 18. Juni 2010

Feste organisieren oder feste organisieren?


Heute haben wir den Abschluss der Hauswirtschaftsmädels gefeiert: mit einem offiziellen Fest, vielen geladenen Gästen und einer Diplomübergabe.
Es war ein schönes Fest und ich bin auch ein bisschen Stolz auf mich, dass ich das burundische Feste organisieren gut gelaunt verkraftet habe, denn … lest selbst:
Seit etwa 2 Wochen steht fest, dass die Feier am Samstag den 19. Juni um 11.00 Uhr stattfinden soll. Etwa 100 Gäste stehen auf der Gästeliste und wir machen uns an die Planungen,…Ich plane 2 Backtage mit den Mädels ein, da wir Kekse, Muffins und Brot verkaufen wollen. So halte ich mir den Mittwoch und Freitag frei. Ich sitze dann am Mittwochmorgen im Auto, auf dem Weg zu den Mädels, meine Kollegin Jeanne ruft mich an und meint: „Tanja, weißt du schon, dass das Fest am Freitag stattfindet und nicht am Samstag, da der Bischoff am Samstag nach Ruanda fährt!“ Ich sage: „Nein, das weiß ich noch nicht! Aber ich wollte doch am Freitag mit den Mädels noch das Brot backen,…“ Es geht hin und her, um sicher zu gehen, dass ich alles richtig verstanden habe. „Okay“, sage ich, „das kriegen wir irgendwie hin.“
So fahre ich zum Backen am Mittwoch. Es ist 8.30 Uhr,…5 Mädels sind da,… ich frage: “wann kommt denn der Rest?“ „Na, so gegen kurz nach 9.00“, ich denke: „Naja, geht ja noch!“

Wir fangen an zu backen, die Mädels sind voll dabei. Gegen 11.00 kommt Jeanne vorbei und wir reden über das Fest und dass sie noch einiges organisieren muss. Plötzlich schaut sie die Vorhänge an und meint: „Die müssen alle noch gewaschen werden, die sind ja total schmutzig!“ Ich gebe zu Bedenken: „In 48 Stunden steigt die Party und die müssen alle von Hand gewaschen werden, reicht das noch?“ Dann gleitet ihr Blick zu den Wänden,… und sie meint: „die sind ja auch dreckig!“ Ich denke: „Tanja, sag nichts dazu“, denn das habe ich schon gelernt: hier tickt alles einfach anders.
Dann schaut Jeanne in ihre Handtasche und zieht einen Stapel Briefe hervor,… Einladungen,… und meint: „Schau mal, nur noch so viele Leute muss ich einladen!“ Ich denke: „Na, hoffentlich können die sich dann noch so kurzfristig den Termin einplanen,…!“

Am Freitagmorgen merke ich, dass das Brot, das bei uns im Ofen gebacken, nicht mehr rechtzeitig fertig wird. Eigentlich sollte ich um 10.00 in der Schule sein, um den Mädels noch beim Tische rücken zu helfen. Also rufe ich dann gelassen bei Jeanne an und sage ihr, dass ich erst gegen 10.35 kommen kann, da das Brot noch im Ofen ist. Kein Problem für Jeanne.
Die Feier begann statt 11h gegen 11.45, die letzten Gäste trudelten gegen 13.30 ein und aus den angekündigten 2 Programmstunden wurden fast 4, aus den 100 Gästen 50 und der Oberhammer war, dass der Bischof am Vormittag entschieden hatte, doch schon früher nach Ruanda zu fahren und somit sein Ehrenplatz auch leer blieb! Trotzdem war es wirklich ein schönes Fest und es war bewegend, die Mädchen so ausgelassen und stolz mit ihren Diplomen zu sehen!

Die Moral von der Geschicht,….? Gibt es eine?!

Sonntag, 13. Juni 2010

Granaten bei Wahlen

Gestern wurde der Präsidentschaftswahlkampf eröffnet. Da es bisher nur noch einen Kandidaten gibt, scheint es eine einseitige Sache zu werden. Gestern wurde dieser Wahlkampf dann aber auch noch im wörtlichen Sinn eröffnet - insgesamt wurden in vier verschiedenen Bezirken Bujumburas vier Granaten gezündet! Über die Schäden und Auswirkunegn ist noch nichts bekannt, genauso wenig wie über den Hintergrund. Dass es poltisch motiviert ist, liegt auf der Hand, ist aber noch nicht bestätigt. Wir hoffen, dass die Regierung es der Opposition erlaubt ihre Meinung auf andere Weise kund tun zu dürfen (Demonstrationen der Opposition während des Besuchs des Generalsekretärs Ban Ki Mun letzte Woche in Bujumbura wurden unter Androhung von Waffengewalt verboten!) und dass die Opposition sich andere Kanäle sucht, ihre Meinungen uz äußern.

Sonntag, 6. Juni 2010

Wahlen Teil 3

Jetzt wird es spannend. Am 28. Juni sind Präsidentschaftswahlen angesetzt. Leider sind aber diese Woche alle Gegenkandidaten des aktuellen Präsidenten zurückgetreten – mit dem Vorwurf, die Kommunalwahlen seien nicht mit rechten Dingen abgelaufen, da sie als Nicht-Regierende Parteien kaum Stimmen erhalten hätten (zwischen 65 und 70% haben die Partei gewählt, die aktuell regiert – CNDD- FDD). Jetzt haben die anderen ihre Kandidatur zurückgezogen mehr oder weniger mit den Worten: „Wir haben sowie so keine Chance, da hier betrogen wird“. Der Forderung der Regierungspartei, dass sie Nachweise für den Betrug erbringen sollen, sind sie nicht nachgekommen, da es laut Wahlbeobachtern und auch der Einheimischen während der Wahlen bis auf wenige Ausnahmen kaum Unregelmäßigkeiten gab. Der Vorwurf bezog sich aber hauptsächlich auf die Zeit vor der Wahl, wo die CNDD-FDD wohl massiv Wähler eingeschüchtert haben soll. Was dahinter steckt, weiß man natürlich nicht. Jedenfalls wird es spannend, wie alles weiter geht und wie sich die politischen Eliten weiter hin verhalten.

Dienstag, 1. Juni 2010

neuer Rundbrief

Uunser neuer Rundbrief steht zum download bereit - wer ihn lesen will, kann einfach hier klicken...

Donnerstag, 27. Mai 2010

Arbeiten wie in Afrika

Heute war es mal wieder so ein typisch afrikanischer Tag. Um 9 Uhr hatten wir eine Sitzung anberaumt, in der 7 Diözesenvertreter mit einem Bauverantwortlichen sprechen sollten. Dieser reiste aus Muramvya an, um die Lage vor Ort und die entsprechenden Probleme zu schildern. Das Treffen verlief folgendermaßen: Ich schaltete um kurz nach 9 meinen Computer im Büro aus, um dann gegen 9.20 im Diözesan-Büro zu sein. Dort erfuhr ich gegen 9.40, dass der Verantwortliche erst gegen 10.30 kommen könnte. Ich nutzte die Zeit zur Beziehungspflege und bin noch bei anderen Kollegen vorbei, um da über Projekte zu reden. Es kam noch erschwerend dazu, dass ein Kollege dringend auf eine Beerdigung musste, die er auch geschafft hätte, wenn die Verspätung nicht gewesen wäre. Dieser verließ dann die Warterunde, das Problem war nur, dass er der Protokollant des Treffens war. Dann gegen 10.40 traf der Bauveranwortliche in Bujumbura ein - allerdings erreichte die Runde dann einem Anruf des Bischofs, der jemanden anderen aus den Besprechungsteilnehmern brauchte. Dieser war der Sitzungsleiter und verschwand gegen 10.50, um gegen 11.35 wieder zu kommen und festzustellen, dass niemand mehr da war, mit Ausnahme des Bauverantwortlichen. Ich war so schlau und hab mich ab 11 Uhr in mein Büro zurückgezogen und den Dingen ihren Lauf gelassen. Gegen 11.40h kam der Anruf: da es bald Mittag war, konnte man mit der Sitzung nicht anfangen, sie wurde auf 14 Uhr verschoben, was dem Bauverantwortlichen nicht passte, da er einen anderen Termin geplant hatte.
Als ich dann gegen 14.15h zum nächsten Besprechungstermin kam, waren einige da – bis auf den Protokollanten. Er musste noch was essen. Gegen 14.35h traf er dann ein, 14.45h konnte die Sitzung tatsächlich beginnen. Es war eine lange Diskussion, bei der es dann auch 2 Mitglieder des Gremiums nicht aushielten und einfach eingeschlafen sind – es war auch wirklich warm! Gegen 15.40h kam dann der Bischof in die Versammlung unerwartet dazu, informierte sich kurz und sagte, was es zu tun gibt. Um 15.45h wurde der Protokollant unruhig und deutete darauf hin, dass er noch einen anderen Termin hätte. Ab 16 Uhr, als wir fast schon eine Entscheidung hatten, wollte der Sitzungsleiter die Besprechung beenden, da er auch weg musste und somit wurde 16.02h ein nicht durchdachter Beschluss (wie auch?) zwischen Tür und Angel gemacht, 16.06h war der Spuk vorbei und ich hab mich gefragt, ob das alles wahr ist! This is Africa.