Dienstag, 23. März 2010

Wie kann man da eigentlich arbeiten, Teil 2

Es scheint erst Mal munter weiter zu gehen, dass sich die Arbeits- und Lebensbedingungen ändern und in diesem Fall verschlechtern. Heute hat mir mein engster Mitarbeiter im Projekt sein Kündigungsschreiben gezeigt. Bis Ende April ist er noch da, dann sind zwei Jahre Investition vorbei und wir fangen wieder von vorn an. Wir sind gespannt, wen die Kirche findet und wie die Arbeit weiter geht. Fest steht: viele Träume, Visionen und Pläne in Bezug auf das BAHO-Projekt sind erst Mal auf Eis gelegt …

Donnerstag, 18. März 2010

Wie kann man da eigentlich arbeiten?

Es ist manchmal zum Haare ausraufen (wenn man noch welche hätte). Gestern gab es den entscheidenden Durchbruch in der Sache mit unserem HiAce- Bus. Der Polizist akzeptierte letztlich, dass wenn die Kirche eine Bürgschaft in schriftlicher Form ausstellt, dass wir dann das Auto benutzen können, bis der Fall geklärt ist. Die Unterschrift von Seiten der Kirche sollte kein Problem sein und das Schreiben ist schon aufgesetzt.
Dann hat uns gestern Abend unser Chef bei einem Gespräch eröffnet, dass wir uns eine neue Bleibe suchen müssen. Die Vermieterin will die Miete um 200 US erhöhen (was 33% des aktuellen Mietpreises ausmacht und an sich illegal ist), aber prinzipiell zeigt es eben die Richtung, dass wir ausziehen müssen. Eine kleine Erhöhung um 10% könnten wir mitmachen, aber in diesem Rahmen das ist zu viel. Ausziehen ist natürlich nicht gerade der Brüller, v.a. weil wir uns hier wohl fühlen und das Haus am Berg ist, wo wir Wind haben und die Hitze dadurch einigermaßen gemildert wird. Also geht es jetzt darum, Häuser suchen (was bei Mieten, die in der Hauptstadt enorm gestiegen sind, nicht so einfach sein wird), mit der Vermieterin verhandeln und schauen, was im Budget der Mission noch drin ist. Man fragt sich: „wie kann man da eigentlich arbeiten?“

Mittwoch, 17. März 2010

…..zu geizig oder zu großzügig?

Diese Frage stelle ich mir öfters am Tag. Zum Beispiel gestern,: da Luis nun in den Kindergarten geht, hat nun die Frau, die 3 Vormittage die Woche zu uns kam keine Arbeit mehr, so haben wir schon im Januar überlegt, was sie dann machen könnte. Sie schlug eine Schneiderausbildung vor und wir machten uns auf die Suche nach einer „Ausbildungsstelle“ und einer Nähmaschine und konnten gestern „ihre Nähmaschine“ zur Ausbildungsstätte bringen. Es ist eine tolle Sache, jemanden so zu unterstützen: Hilfe zur Selbsthilfe und zu hoffen, dass unser „Kindermädchen“ bald eine eigene Näherei hat. Doch auf der anderen Seite können wir ihr nicht einfach eine Nähmaschine und Ausbildung schenken. Finanziell sind solche Sachen kein großer Aufwand, aber inwieweit schürt man nicht Neid und Missgunst der anderen und wie kommt man davon weg, immer nur der weiße Geldgeber zu sein, oder wenn es in ihrer Familie einen Krankheitsfall gibt, wird sie als erstes die Nähmaschine verkaufen!? Das ist jetzt eine „große Sache“, aber diese Situationen begegnen mir täglich: Soll ich die Reparatur für das Handys unseres Kochs übernehmen? (1 Euro!), gönne ich dem Gemüsemann, dass er an mir ein bisschen mehr verdient (weil ich eben fast bereit bin, den Muzungu- Preis zu bezahlen), unserem Arbeiter einen Französischkurs finanziere, mit fraglichem Erfolg? Was hilft den Menschen hier wirklich? Diese Frage gilt es immer wieder neu auszuloten, im Gespräch mit anderen und mit Gott.

Sonntag, 14. März 2010

Wie im Film

Nach den ganzen Planungen, Filmarbeiten und Besprechungen kehrt jetzt langsam wieder der Alltag ein und wir können uns wieder auf unsere Arbeit konzentrieren. Da mein Kollege gerade in Ruanda zu einer Fortbildung ist, nutze ich die Zeit, um an meiner Masterarbeit zu schreibenn. Nächste Woche geht es dann wieder los mit Besprechungen und Planungen für unser Ausbildungszentrum und über die Schwerpunkte der Arbeit in diesem Jahr. Dazu kommt noch, dass wir gerade dabei sind, TEARFUND (eine christliche englische Entwicklungsorganisation) mit ins Boot zu holen und hoffen dadurch, das Geld für weiteres einheimisches Personal zu bekommen –v.a. für das Ausbildungszentrum. Mein hp notebook befindet sich zum dritten Mal innerhalb eines Jahres in Deutschland zu Gewährleistungsarbeiten (dazu dann mehr, wenn ich von hp mehr weiß, wie sie dazu stehen), der Bus von uns wird auch gerade (versteckt) ausgerüstet mit Sicherheitsgurten und unser Antrag für die Förderung der Wahlvorbereitungen läuft gerade. Soweit Mal in aller Kürze.

Sonntag, 28. Februar 2010

…. einfach anders sozialisiert!

Hier mal ein kleiner Einblick aus unserem Alltag mit den Kindern. Ich schaue mit Luis, unserem Jüngsten, ein Buch mit einem europäischen Wald an, ich zeige auf ein Reh und er fragt mich mit großen Augen und einem wissenden Lächeln: „Antilope?“. Oder heute blättern wir durch die neue „Mission weltweit“, in der ein Bild die Nagold zeigt, wie sie durchs Monbachtal fließt, …Luis fragt: „Nilpferde drin?“
Und letztes Mal, als ich bei den Hauswirtschaftsmädchen war, habe ich Luis mitgenommen. Wir wollen zusammen Spaghetti und Sauce Bolognese kochen. Die Mädchen schnippeln Zwiebeln, Karotten, Paprika,… Luis hat sich immer wieder am Gemüse bedient. Plötzlich Totenstille und die Mädchen haben einen angeekelten Ausdruck in ihren Gesichtern. Luis schaut mich verständnislos an und ich frage: „Was ist los?“ Die Mädchen rufen: „Man kann doch keine rohe Paprika essen!? Das ist eklig und macht man einfach nicht!“ „Ach ja??!“ Nun brauche ich auch unserem Nachtwächter kein rohe Paprika mehr auf seinen Abendbrotteller zu legen,…er hat mir dann auch gestanden, nach1 ½ Jahren, dass er die nicht essen kann … eben anders sozialisiert!!

Freitag, 19. Februar 2010

Das Versteckspiel

geht weiter, diesmal mit Unterstützung des Kommissars. Da seit Wochen nun unser Auto versteckt ist, sind wir jetzt eine Instanz nach oben gegangen und haben unseren Fall des versteckten Minibusses erklärt. Der Ratschlag des nicht korrupten burundischen Beamten war, dass wir den Minibus weiterhin versteckt halten sollten, da selbst seine Autorität nicht ausreicht. Er setzt sich aber für uns ein, dass der Fall an eine andere juristische Instanz vermittelt wird, wo man weniger Korruption und mehr Justiz erwarten kann. Wir hoffen, dass wir am Montag da weiter kommen. Nebenher sind wir noch damit beschäftigt, ein Filmteam durchs Land zu führen. Ja, es wird wahrscheinlich ab Sommer/ Herbst einen Film über unsere Arbeit in Burundi geben – die Liebenzeller Mission will da was machen. Wir sind gespannt und halten alle Leser/innen auf dem Laufenden ab wann diese Dokumentation zu sehen sein wird.

Dienstag, 9. Februar 2010

Überraschung 2

Am Wochenende ist eine Klausur unserer LM Missionare angesetzt. Als Deutsche haben wir schon begonnen im Dezember einen Ort zu suchen und zu buchen. Essen ist abgesprochen, Zimmerverteilung gemacht und schon fast der Begrüßungskaffee gekocht. Gestern ruft mich der Besitzer des Hotels an, dass er ein Problem hat. Eigentlich war es eher so, dass ich ihn angerufen habe und noch Details klären wollte. Dann kam die Überraschung: „Wir haben ein Problem und müssen uns treffen.“ Beim Treffen dann erfahre ich, dass der Präsident Burundis (oder Teile seiner Mannschaft) auch das Hotel wollen. Sie planen überraschenderweise nicht voraus – am Freitag rufen sie an, dass ab Mittwoch (also heute) das Hotel gebucht ist. Komplett. Liberale ökonomische Prinzipien werden in dieser scheinbar demokratischen Struktur nicht geachtet. Und da die Angst regiert, dem Präsidenten etwas zu versagen (es könnte ja zurückkommen und sich negativ auswirken), hat der Hotelbesitzer es bevorzugt, uns zu versetzen. Mit der Angst im Hintergrund, dass die Rechnung für die Sache des Präsidenten nicht bezahlt wird. Ab Mai sind Wahlen und Rechnungen können hier lange warten. Ein neuer Präsident bezahlt wahrscheinlich nicht Rechnungen seines Vorgängers. Auf meine Bitte hin, mir die Nummer des Protokollanten des Präsidenten zu geben, damit ich ihm nicht nur die Honorar- und Kommunikationskosten für einen neuen retreat-Ort zuschicken kann, sondern auch sagen kann, welches Bild das auf Burundi wirft, meinte der Hotelbesitzer, dass es nicht gut sei, das zu tun. Weder für ihn noch für uns. Jetzt sind wir auf der Suche, mal schauen, was sich ergibt. Burundi - ein Land voller Überraschungen.