So ist das, wenn man reist. Das Gefühl der Filme lässt mich nicht los, daher habe ich nach einem verrückten, skurilen und aberwitzigen Filmtitel gesucht.
Sonntag standen wir an der Burundisch- Ruandischen Grenze. Die Grenzformalitäten waren kein Problem – jedenfalls für die Menschen. Für das Auto erwies sich das als schwerer. Der ruandische Zöllner (ich habe schon mal geschrieben, dass man die alttetstamentliche Haltung gegenüber Zöllnern in Afrika verstehen lernt) jedenfalls wollte die Autopapiere sehen. Dabei stellte er fest, dass ich nur eine burundische Autoversicherung habe. Die gilt in Ruanda nicht. Meine burundischen Kollegen sind genauso wie ich aus allen Wolken gefallen. Was tun. 17 Uhr – zurück kann man nicht. Lange Diskussion. Der Zöllner lässt Gnade vor Recht walten und verabschiedet uns mit den Worten „es sind nicht viele Polzisten mehr auf dem Weg, daher könnt ihr es ohne Kontrolle bis Kigali schaffen“. Nach einer Fahrt intensiven Betens (die ruandischen Polizisten sind noch weniger geliebt, als die alttestamentlichen Zöllner) kommen wir an – ohne Kontrolle. Am nächsten Tag das Auto versichert und die erste Projekttour gemacht. Heute dann auf zur nächsten Tour. In der Stadt dann der ungeliebte Polizist, hält an: Fahrzeugkontrolle. Ich halte ihm lässig meine Autoversicherung hin und Führerschein und er fragt wo die Eintrittspapiere für das Auto sind. „Wie Eintrittskarte? Hier ist doch alles!“ „Nein – Eintrittskarte fürs Auto brauchen wir“ Meine Kollegen und ich fallen aus allen Wolken (und mein Ärger auf den so scheinbar netten Zöllner verdoppelt sich innert 5 Sekunden). 10 Leute stehen nun da und diskutieren. Schluß vom Lied: ein Chauffeur der Organisation, die wir besuchen, bringt Polizisten und Auto zur Polizeihaupstelle (gegen 10 Uhr), um die Strafe auszumachen, wir fahren mit einem anderen Auto Projekte anschauen. Als wir abends gegen 19 Uhr wiederkommen, ist das Auto nicht da. Der Fahrer kommt gestresst gegen 19.30 Uhr an und verkündet das Urteil: 100.000 ruandische Franc. Das entspricht dem Monatsgehalt eines Lehrers hier – also der Wert von 1500 EUR (wenn ich mich bei Lehrergehältern nicht irre) – umgerechnet 130 EUR für ein Papier, von dem niemand was wusste und der Zöllner nichts sagte! Auflage: Fahrt zurück an die Grenze und den Stempel holen, das Auto uns den Stempel zeigen, die Erlaubnis ist nur für einen Tag gültig, sonst weitere 100.000 Franc. Ein Irrsinn auf Rädern, der sich hier abspielt. Und dazu noch wird am 1. Juli diese ganze Regelung ungültig, weil dann Burudni im Rahmen der Ostafrikanischen Union einen anderen Status hat! Freut Euch also liebe Leser an europaweiten Versicherungen, zollfreien Grenzen und Organisationen wie dem ADAC, die einfach eine zuverlässige Auskunft geben, wenn man eine Reise tut. Ich bin gespannt, was hier noch alles passiert, bis wir am Sonntag zurückfahren, aber die Lust, Ruande zu besuchen sinkt von Tag zu Tag. Wie sehr freut man sich da auf das bekannte Chaos Afrikas, in dem ein Polizist noch jemand ist, mit dem reden kann und der Mensch ist und der keinen 1000% Auftrag zu erfüllen hat.
Mittwoch, 24. Juni 2009
Samstag, 20. Juni 2009
Filme
Nachdem Mission impossible in mein Leben trat bin ich davon überzeugt, dass Burundi das Potential hat, das Cannes Afrikas zu werden – weil es eben keine Filme zeigt (wenn es auch ein oder zwei burundische Filmemacher gibt), sondern man Filme hier live erleben kann. Diese Woche war ich damit beschäftigt ein Visum zu bekommen. Ein Visum, das es mir erlaubt außer Landes zu gehen ohne dass mein zwei Jahres Visum erlischt. Es heißt Visum Austritt und Eintritt. Und so könnte man diese Mr. Bean Folge beschreiben: Austritt und Eintritt. Nämlich aus dem normalen Leben hinein in die Welt von kroteskem, ja fast kafkaeskem administratorischen Verhalten. Es gibt eine Behörde, die sich darum annimmt. Und da muss man Zeit haben. Deshalb bin ich auch schon am Montag hin, um diesen Stempel zu erhalten. Der Mann, der den Antrag entgegen nahm, sagte mir „kommen Sie Freitag wieder“. Nun wollte ich aber Sonntag (also morgen) außer Landes gehen (mein Kollege und ich haben die Möglichkeit, einige kirchliche Projekte in Ruanda kennen zu lernen). Das war mir zu knapp. Deshalb bin ich schon am Donnerstag Nachmittag dort aufgetaucht. Die freundliche Rezeptionistin wollte plaudern, weil ihr langweilig war und somit hing ich erst mal dort ne halbe Stunde, bis ich dann zum Chef gehen konnte (der auch nichts wusste und mich an di Visumabteilung verwies). Dort, hinter einem Berg von Akten (wie auf jedem Schreibtisch – ein Rätsel, dass man da wieder was findet), saß der zuständige, der sagte, ich soll morgen wieder kommen. Die Rezeptionistin hatte das mitbekommen und mich freundlich hergewunken und gesagt, sie schreibt mal meinen Namen auf, das zeigt sie dann ihrem Chef und dann soll ich am Freitag um 8 dort sein (um meinen Namen aufzuschreiben hat sie meinen Kuli benutzt, den sie dann auch als Geschenk behalten wollte). Vorhang zu, erster Teil vorbei (1,5 Stunden).
Am Freitag 8.20 uhr (burundisch) tauche ich auf. Um festzustellen, dass der Zettel nichts gebracht hat. Nach zwei Stunden zähme Ringen und suchen unter wirklich beeindruckenden Aktenbergen gegen 10. 30 Uhr dann der Durchbruch – die Akte ist da! Wieder beim Vize verweist er mich auf den Nachmittag: kommen Sie 14.30 wieder (2 Stunden). Diesmal deutsch bin ich 14.25h da, um festzustellen, dass Behörden am Freitag auch Sport machen (anders als die Polizei diese Behörde freitags). Alle in Sportkleidung hinter Schreibtischen. Die Akte ist nicht zu finden. Allerddings nicht nur meine. Der irre Blick im Gesicht mancher Menschen zeigt, dass Ämter Macht haben – Macht krank zu machen. Schicksale können sich da abspielen, gekaufte Tickets verfallen, Termine im Ausland platzen. Und all diese Emotionen prallen an einer Wand eingespielter Gleichgültigkeit ab. Jedenfalls ist ein Nigerianer mit mir im Raum, der irgendwann entnervt aufgibt. Ich halte durch und warte und rede und suche mit und bin freundlich und ärgere mich und überhaupt. Jedenfalls 16.15 Uhr verlasse ich das Gebäude (nochmal 2 Stunden) – mit Stempel und dem leeren Gefühl in mir, das wohl Rowan Atkinson haben muss, wenn er seine Folgen gedreht hat.
Am Freitag 8.20 uhr (burundisch) tauche ich auf. Um festzustellen, dass der Zettel nichts gebracht hat. Nach zwei Stunden zähme Ringen und suchen unter wirklich beeindruckenden Aktenbergen gegen 10. 30 Uhr dann der Durchbruch – die Akte ist da! Wieder beim Vize verweist er mich auf den Nachmittag: kommen Sie 14.30 wieder (2 Stunden). Diesmal deutsch bin ich 14.25h da, um festzustellen, dass Behörden am Freitag auch Sport machen (anders als die Polizei diese Behörde freitags). Alle in Sportkleidung hinter Schreibtischen. Die Akte ist nicht zu finden. Allerddings nicht nur meine. Der irre Blick im Gesicht mancher Menschen zeigt, dass Ämter Macht haben – Macht krank zu machen. Schicksale können sich da abspielen, gekaufte Tickets verfallen, Termine im Ausland platzen. Und all diese Emotionen prallen an einer Wand eingespielter Gleichgültigkeit ab. Jedenfalls ist ein Nigerianer mit mir im Raum, der irgendwann entnervt aufgibt. Ich halte durch und warte und rede und suche mit und bin freundlich und ärgere mich und überhaupt. Jedenfalls 16.15 Uhr verlasse ich das Gebäude (nochmal 2 Stunden) – mit Stempel und dem leeren Gefühl in mir, das wohl Rowan Atkinson haben muss, wenn er seine Folgen gedreht hat.
Mittwoch, 17. Juni 2009
Administration
Ich nutze eine kleine Zeitlücke gerade, um ein Erlebnis der letzten Tage festzuhalten. Seit drei Tagen fühl ich mich wie Tom Cruise in Mission impossible (egale welche Folge). Ich jage jemanden. Und zwar ein Dokument mit dem Kürzel PV 546/553. Es befindet sich irgendwo und es ist DAS Dokuement, das uns hilft, einen (unverschuldeten) Unfall zu regeln. Zuerst muss man jemanden kennen, der hilft, rauszukrigen wo das ist. Dann ist dieser Mensch nicht da, obwohl er es bestätigt hat. Dann gestern hat er mich in das Büro gebracht, wo ich den Fall erledigen sollte – aber Mittwoch Mittag ist Sport in allen Verwaltungen (wobei man ehrlicherweise zugeben muss, dass man nur die Leute im Sportanzug stehen und sich unterhalten sieht – vielleicht Training der Standhaftigkeit? Also heute morgen dann war das Büro offen, nur um rauszufinden, dass sich mein Zielobjekt verwandelt hat und eine andere Nummer bei einer anderen Behörde hat. Dort aufgetaucht scheinen schon alle drauf zu warten, dass jemand wie ich komm und rennen dann weg oder spielen ihre Rolle des Versteckens gut. „Das Dokument? Ja das kommt. Aber vielleicht erst nächste Woche. Komm da nochmal vorbei.“ Was tun? Für Hinweise und neue Ideen gibt es eine kühle Cola auf unserer Terrasse …
Keine News
Es gäbe viel zu schreiben, aber wir kommen grad nicht dazu. Luis hat ne Bronchitis, die uns viele Arztbesuche beschert, dann Besuche und Abschiede und eben einfach viel Arbeit. Ich hoffe, dass es in den nächsten Tagen ruhiger wird und wir von Hühner, Administratoren und anderen lustigen und zeitraubenden Begebenheiten erzählen können.
Mittwoch, 3. Juni 2009
Concours de billes
Am 27. Mai feierte Silas mit seinen Freunden seinen siebten Geburtstag! Wir waren wie immer hochmotiviert und hatten uns überlegt einen „concours de billes“ (Murmelwettbewerb) mit den Kindern durch zu führen. Wir haben uns viele verschiedene Murmelspiele ausgesucht, Murmeln besorgt, denn die Kinder haben schon gedroht, nicht zu kommen, wenn sie mit ihren eigenen antreten müssten. Wir dachten, das begeistert bestimmt die Jungs, da sie in der Schule auch immer Murmeln zusammen spielen. Aber weit gefehlt! Vor allem den burundischen Kindern sind solche Geburtstagsgepflogenheiten völlig fremd! Zumal nicht nur die eingeladen Kinder kamen, sondern einfach noch zwei Cousins von einem Kind mit dazu abgeliefert wurden und andere erst gar nicht erschienen. So war ich nach den ersten beiden Spielrunden entnervt und enttäuscht und dachte: „Dann sollen sie halt spielen, was sie wollen“. Aber Stefan hat gemeint: „Wir haben das jetzt vorbereitet, wir ziehen das jetzt durch.“ Und tatsächlich, nachdem sich die Kinder gestärkt hatten und wir einen neuen Versuch gestartet haben, konnte man sogar so etwas wie Gemeinschaftssinn entdecken. Es war auf jeden Fall ein lehrreicher Mittag und zum Schluss war es noch sehr gemütlich, als ein paar Eltern noch zum Essen blieben und wir so wieder ein bisschen Kontakte knüpfen konnten, wobei man dazu sagen muss, dass das Ende der Party auf 18Uhr angesetzt war und die letzte Mutter dann 19.30 Uhr auftauchte – welcome to Africa!
Dienstag, 26. Mai 2009
Faul Ei

Wie auf dem Foto zu sehen ist, mach dieser Klassiker der Kinderspiele auch in Burundi Spaß. Und zwar hier Erwachsenen. Um genau zu sein, sind es Erwachsene, die ehrenamtlich die Kinder des Projekts BAHO betreuen. Wir hatten letzte Woche zusammen drei Tage eine Klausur im Landesinneren, auf der wir die Grundlagen der Arbeit neu festgelegt haben und uns intensiv über die Strategie der Arbeit auseinandergesetzt haben. Dabei ging es nicht immer so lustig, wie auf dem Bild zu, doch am Ende können wir sagen, dass es eine erfolgreiche Zeit war. Wir sind übereingekommen, dass wir mit den Betreuern zusammen ein monatliches Programm für die BAHO Kinder erstellen und mit den Betreuern dann veranstalten. Es soll ein Programm sein, das eine Art Teenikreis ist mit Spielen, Singen etc.
Ab nächsten Monat machen wir uns an die Umsetzung und hoffentlich gewinnen wir jemanden, der uns hilft, das entsprechende Material für die Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Sonst müssen Jacques und ich ran und die Programme ausarbeiten und durchführen. Dies wird auf die Dauer aber schwer zu machen sein, da somit jedes Wochenende ausgebucht wäre. Jetzt fangen wir aber erst Mal an und schauen dann weiter – auf Kirundi: buhoro-buhoro
Sonntag, 17. Mai 2009
Zum Lachen – zum Weinen – zur Toilette!
Am Donnerstag war ich bei der amerikanischen Botschaft eingeladen, um über die Förderung unseres Projektes in Muramvya mit einer Mitarbeiterin zu sprechen. Ich bin ja schon einiges gewohnt, was Sicherheitsstandards in Botschaften anbelangt. Aber die Amis schießen den Vogel ab. Zuerst mal mit Detektor alles absuchen. Dann Handy und Schlüssel abgeben. Dann Geldbeutel dursuchen lassen. Zweite Schleuse: Wieder Detektor, alles absuchen. Dritte Schleuse nochmal alles absuchen und zum dritten Mal Geldbeutel durchsuchen. Nach fast 30 Minuten war ich dann drin! Und habe dann auf die entsprechende Frau gewartet. Dabei meldete sich mein Kaffee vom Morgen, dass er sich von mir verabschieden will. Ich zum Wachposten und ihn gefragt, wo denn die Toilette sei. Und ich dachte zuerst, ich hätte mich verhört. „Es gibt keine“. Nochmal gefragt: gleiche Antwort. Ich glaube, ich habe ihn angeschaut, als käme er vom Mars. Dann bin ich zu der Mitarbeiterin und habe sie gefragt, was jetzt zu tun sei. Sie wusste keinen Rat und schaute mich eher hilfesuchend an. Dabei war ich es ja, der welche brauchte. Und das dringend. Ich hatte dann vorgeschlagen, dass ich eben hinter dem Sofa …. (Pflanzen gab es keine aus Sicherheistgründen)
Kurz, es blieb dann nur eins – wieder raus und ein Restaurant suchen. Nachdem ich die Botschaft verlassen hatte und zurückkam, ging die ganze Prozedur wieder los – drei Sicherheitschecks. Am Schluss habe ich die Dame, von der wir eigentlich finanzielle Hilfe wollten, gefragt, ob wir denn einen Spendenaufruf starten sollten, dass die amerikanische Botschaft in Burundi sich eine Toilette leisten könne. Auf die Antwort warte ich noch. Wahrscheinlich ist sie in einer Sicherheitsschleuse hängen geblieben …
Kurz, es blieb dann nur eins – wieder raus und ein Restaurant suchen. Nachdem ich die Botschaft verlassen hatte und zurückkam, ging die ganze Prozedur wieder los – drei Sicherheitschecks. Am Schluss habe ich die Dame, von der wir eigentlich finanzielle Hilfe wollten, gefragt, ob wir denn einen Spendenaufruf starten sollten, dass die amerikanische Botschaft in Burundi sich eine Toilette leisten könne. Auf die Antwort warte ich noch. Wahrscheinlich ist sie in einer Sicherheitsschleuse hängen geblieben …
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